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Haie im Roten Meer

Arten, Hotspots und ein realistischer Blick auf die Vorfälle vor Ägypten

Das Rote Meer gehört zu den artenreichsten Tauchregionen der Welt – und es ist eines der wenigen Reiseziele Europas, in denen man mit guter Wahrscheinlichkeit Haie sehen kann. Vor Ägypten kommen rund 30 Hai- und Rochenarten vor, von kleinen Riffhaien über Hammerhai-Schulen bis hin zum Walhai, dem größten Fisch der Welt.

Gleichzeitig steht kein anderes europäisches Reiseziel so oft in den Schlagzeilen, wenn es um Hai-Vorfälle geht: Sharm el-Sheikh 2010, Marsa Alam 2018, Hurghada 2022 und 2023. Diese Seite ordnet beides sachlich ein – mit Fokus auf reale Wahrscheinlichkeiten, vorkommende Arten und konkrete Tauch- und Schnorchel-Tipps.

Welche Haiarten leben im Roten Meer?

  • Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus) – häufig an Riffüberhängen, ruht tagsüber am Boden.
  • Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus) – kleiner, scheuer Riffhai in flachem Wasser.
  • Grauer Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos) – an Strömungskanten und Steilwänden.
  • Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus) – pelagisch, kommt an offshore-Riffe wie die Brothers oder Elphinstone.
  • Tigerhai (Galeocerdo cuvier) – selten, vor allem im Süden und in tieferen Bereichen. Mehr unter Tigerhai.
  • Großer Hammerhai & Bogenstirn-Hammerhai – im Sommer in Schulen am Daedalus Reef. Mehr unter Hammerhai.
  • Fuchshai (Alopias vulpinus) – ausgeprägter Schwanzschlag, im Süden und an den Brothers.
  • Walhai (Rhincodon typus) – Plankton-Filtrierer, saisonal vor Marsa Alam und im Süden. Mehr unter Walhai.

Eine vollständige Liste aller im Roten Meer dokumentierten Haiarten findest du auf unserer Seite Haie Verbreitung.

Tauch- und Schnorchel-Hotspots

Hurghada & Umgebung

Hurghada ist der größte Hub am ägyptischen Festland. Hausriffe wie Giftun, Abu Nuhas oder Shaab El Erg eignen sich besonders für Einsteiger und Schnorchler. Hai-Sichtungen sind eher selten und betreffen meist Riffhaie. Vom Hafen aus starten zahlreiche Tagesausflüge, Schnorcheltouren und Tauchsafaris in den Süden.

Sharm el-Sheikh & Ras Mohammed

Im Norden gelten der Ras-Mohammed-Nationalpark sowie die Tiran-Inseln als legendäre Tauchplätze. Hier werden vor allem Riffhaie und Graue Riffhaie gesichtet, gelegentlich auch Tiger- oder Hammerhaie. Sharm el-Sheikh ist außerdem Ausgangspunkt für Liveaboard-Touren in den Süden.

Marsa Alam & der Süden

Marsa Alam, El Quseir und das Gebiet rund um Hamata gelten als die besten Reviere für große Hai-Begegnungen. Das Sataya-Riff ist berühmt für Spinnerdelfine, Walhaie kommen saisonal an die Küste, und Riffhaie sind hier ganzjährig präsent.

Brother Islands, Daedalus & Elphinstone

Die abgelegenen Riffe im offenen Roten Meer sind nur per Tauchsafari erreichbar. Hier liegen die besten Chancen auf Hammerhai-Schulen (Daedalus), Fuchshaie (Brothers) und Weißspitzen-Hochseehaie (Elphinstone). Diese Spots sind erfahrenen Tauchern vorbehalten.

Hai-Vorfälle vor Ägypten – sachlich eingeordnet

Das Rote Meer ist statistisch gesehen kein „Hai-Hotspot" im negativen Sinn. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wurden weniger als zwei Dutzend ernsthafte Vorfälle dokumentiert. Aufmerksamkeit erregten vor allem:

  • Sharm el-Sheikh, Dezember 2010: mehrere Vorfälle innerhalb weniger Tage, fünf Verletzte und eine deutsche Touristin tödlich. Beteiligt waren mindestens ein Weißspitzen-Hochseehai sowie vermutlich ein Makohai. Untersuchungen führten ungewöhnlich nahe an der Küste auftretende pelagische Haie auf Futterangebote durch Schiffe (entsorgte Schafskadaver) und nahe Fischzuchtbetriebe zurück.
  • Marsa Alam, 2018 und 2020: einzelne Vorfälle mit Schnorchlern, vermutlich durch Anfütterung und Hand-Kontakt provoziert.
  • Hurghada, 2022 und 2023: tödliche Vorfälle mit einer Tigerhai-Beteiligung außerhalb gesicherter Badezonen.

Die wichtigste Schlussfolgerung: Halte dich an markierte Badezonen, nicht im offenen Wasser allein, keine Tiere füttern, kein Hand-Kontakt – und im Zweifel die Anweisungen örtlicher Behörden ernst nehmen. Mehr Hintergründe und Statistiken auf Hai-Angriffe weltweit.

Bedrohung & Schutz

Im Roten Meer sind viele Haiarten durch Beifang in der Fischerei, Habitatverlust und Hai-Tourismus mit Anfütterung bedroht. Insbesondere der Weißspitzen-Hochseehai gilt weltweit als „critically endangered". Mehr darüber, was du persönlich tun kannst, erfährst du auf unserer Seite zum Hai-Schutz.

Häufige Fragen

Welche Haiarten leben im Roten Meer?

Im Roten Meer kommen u. a. Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus), Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus), Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus), Grauer Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos), Tigerhai (Galeocerdo cuvier), Großer Hammerhai (Sphyrna mokarran), Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini), Fuchshai (Alopias vulpinus) und der Walhai (Rhincodon typus) vor.

Sind Haie im Roten Meer gefährlich für Schwimmer?

Statistisch sind Hai-Begegnungen für Schwimmer sehr selten. Die meisten Riffhaie sind scheu und meiden Menschen. Erhöhte Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus), der vor Ägypten an mehreren dokumentierten Vorfällen beteiligt war – meist im offenen Wasser, fernab klassischer Badezonen.

Was geschah 2010 in Sharm el-Sheikh?

Im Dezember 2010 ereignete sich vor Sharm el-Sheikh eine Serie von Hai-Vorfällen mit fünf Verletzten und einem Todesopfer. Beteiligt waren mindestens ein Weißspitzen-Hochseehai und vermutlich ein Makohai. Untersuchungen wiesen auf untypisches Futterangebot in Küstennähe (Schafskadaver-Entsorgung von Frachtschiffen, Fischabfälle) als wahrscheinliche Ursache hin.

Wo kann man im Roten Meer Walhaie sehen?

Walhaie tauchen vor allem von Mai bis August im südlichen Roten Meer und vor Marsa Alam auf, wenn dort planktonreiches Wasser vorkommt. Auch vor den Brother Islands und am Daedalus Reef sind Sichtungen dokumentiert.

Welche Tauch-Hotspots gibt es im Roten Meer?

Klassische Tauch-Hotspots sind Hurghada, Marsa Alam, El Quseir und Sharm el-Sheikh sowie die offshore gelegenen Riffe Brother Islands, Daedalus, Elphinstone und St. Johns. Hammerhai-Schulen werden vor allem im Sommer am Daedalus und an den Brothers gesichtet.

Wann ist die beste Reisezeit für Hai-Sichtungen?

Hammerhaie und Fuchshaie sind vor allem von Juni bis September im Süden aktiv. Walhaie kommen ebenfalls im Sommer. Riffhaie werden ganzjährig gesichtet. Die besten Sichtbedingungen herrschen in den ruhigen Sommermonaten.

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