Haie pflanzen sich über innere Befruchtung fort: Das Männchen überträgt die Spermien mit einem seiner beiden Klasper, umgebildeten Teilen der Bauchflossen. Ob dabei Eier gelegt werden oder lebende Junge zur Welt kommen, hängt von der Art ab – etwa ein Drittel bis 40 Prozent der Haiarten legt Eier, die Mehrheit gebärt lebend. Brutpflege gibt es nicht: Junghaie sind von Geburt an auf sich gestellt.
Die Zeit, in der sich Haie fortpflanzen können, ist von Art zu Art unterschiedlich. Weibchen mancher Arten bringen ohne Unterbrechung jedes Jahr ein Junges zur Welt, sobald sie geschlechtsreif sind. Wieder andere bringen einige Jahre hintereinander Junge zur Welt, müssen allerdings auch lange Ruhepausen einlegen.
Bei der Mehrzahl der Haie, scheint die Paarung aber an eine bestimmte Paarungszeit gebunden zu sein. Diese Zeit scheint vor allem von der Umgebungstemperatur abzuhängen, welche den Hormonhaushalt des Tieres auf die Paarung einstellt. Nur zur Zeit der Paarung treffen Haie auf Artgenossen, denn normalerweise sind sie – bis auf einige Ausnahmen – klassische Einzelgänger.

Legen Haie Eier oder gebären sie lebend?
Beides – je nach Art. Etwa ein Drittel bis 40 Prozent der Haiarten legt Eier, die Mehrheit bringt lebende Junge zur Welt. Welcher der drei Fortpflanzungstypen vorliegt, ist eine Eigenschaft der jeweiligen Art und nicht der Situation.
Ovipare (eierlegende) Haie legen Eikapseln ab, in denen sich der Embryo außerhalb des Mutterleibs entwickelt. Typische Vertreter sind Katzenhaie (Scyliorhinus spp.) und Hornhaie (Heterodontus spp.). Ovovivipare Haie – heute meist als aplazental lebendgebärend bezeichnet – behalten die Eier im Mutterleib, wo die Jungen schlüpfen und anschließend lebend geboren werden. So machen es der Dornhai und der Weiße Hai.
Vivipare (plazental lebendgebärende) Haie gehen einen Schritt weiter: Der Embryo wird über eine Plazenta direkt von der Mutter versorgt, ähnlich wie bei Säugetieren. Das ist unter anderem bei Hammerhaien (Sphyrna spp.) und Blauhaien (Prionace glauca) der Fall. Ausführlich beschrieben sind alle drei Typen weiter unten im Abschnitt „Oviparie, Viviparie und Ovoviviparie".
Hai-Eier: Wie sie aussehen und wo man sie findet
Ein Hai-Ei ist keine Schale wie bei einem Vogelei, sondern eine ledrig-hornige, wasserdurchlässige Kapsel. Woran man sie erkennt:
- Form je nach Gruppe: Hornhaie legen spiralförmige Kapseln, die sich zwischen Felsen verklemmen. Katzenhaie haben lange Haftfäden an den Ecken, mit denen sich die Kapsel an Tang und Korallen verankert. Rochenkapseln sind eckiger und tragen statt Fäden kleine Hörner.
- Volksmund: Die Kapseln heißen „Nixenbeutel" oder „Meerjungfrauen-Tasche" (englisch mermaid's purse).
- Fundorte: Leere Kapseln werden regelmäßig an Stränden angespült, vor allem an der Nordsee. An der Ostsee sind Funde die Ausnahme, weil dort wegen des niedrigen Salzgehalts kaum Haie und Rochen leben.
- Fast immer leer: Eine angespülte Kapsel enthält so gut wie nie noch einen Embryo – sie löst sich erst nach dem Schlupf vom Untergrund.
Hai Eier, deren Größe je nach Art von einem bis zu 100 Millimetern reicht, gelangen meist vom rechten Ovar des Weibchens, wo sie gebildet werden, in die Abdominalhöhle. Von dort aus werden sie über Wimperzellen in einen oder beide Eileiter geführt und erreichen so die Schalendrüse, wo die eigentliche Befruchtung dann stattfinden kann. Von nun an beginnt je nach Art die Tragzeit bzw. die Eiablage.
Die Schalendrüse schneidet nun ihre schützende Hülle aus (der sie übrigens ihren Namen verdankt). Von dieser, je nach Art sehr unterschiedlich dicken Membran, werden die Eier umhüllt. Sie entfaltet sich im Laufe der Zeit mit dem Wachsen des Embryos.
Prinzipiell ist zu sagen, dass Haie nicht versuchen den Fortbestand ihrer Art durch möglichst viele kleine Eier und demzufolge viele Jungtiere zu gewährleisten (sogenannte „r-Strategen"). Es gibt Arten, in denen das Weibchen nur ein oder zwei Junge zur Welt bringt. Diese Jungtiere sind dafür aber sofort in der Lage ein selbstständiges Leben zu führen. Haie sind also sogenannte „K-Strategen".

Übrigens: Oftmals findet man am Strand Eikapseln, die so aussehen wie hier unten dargestellt (z. B. kann man diese am Nordseestrand gelegentlich in recht großer Zahl finden).
Hierbei handelt es sich um Eikapseln von Rochen (Batoidea), auch wenn sie denen der Haie ähnlich sehen.
Rocheneier sind gemeinhin viereckiger als Haieier und tragen an den Ecken lediglich kleine „Hörner" (s. Abbildung unten). Haieier sehen nicht ganz so „kissenartig" aus, wie die Abbildung der Eikapsel des Pyjamahais (Poroderma africanum) oben zeigt.

Wie gebären Haie ihre Jungen?
Die meisten Haiarten bringen lebende Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt ohne Nest und ohne Geburtshilfe: Die Jungen verlassen den Uterus durch die Kloake und schwimmen sofort selbstständig davon.
Wie viele Junge dabei zur Welt kommen, unterscheidet sich je nach Art erheblich – von nur einem oder zwei Jungtieren bis zu mehreren Dutzend pro Wurf. Brutpflege gibt es nicht, und Haie säugen ihre Jungen auch nicht: Die Jungtiere sind von Geburt an auf sich gestellt und müssen ihre Nahrung selbst finden. Was dabei auf dem Speiseplan steht, zeigt unser Artikel Was fressen Haie?.
Manche Arten setzen ihre Jungen gezielt in flachen, geschützten Küstenbereichen ab, die als Kinderstuben dienen. Dort sind große Fressfeinde seltener. Das ist allerdings Habitatwahl der Muttertiere und keine Brutpflege – nach der Geburt kümmert sich das Weibchen nicht weiter um den Nachwuchs.
Wie lange sind Haie schwanger?
Die Tragzeit reicht je nach Art von wenigen Monaten bis über zwei Jahre. Beim Dornhai (Squalus acanthias) dauert sie 18 bis 24 Monate, beim Weißen Hai etwa 12 Monate, beim Tigerhai 13 bis 16 Monate und beim Hammerhai 10 bis 12 Monate.
Damit gehört der Dornhai zu den Arten mit einer der längsten Tragzeiten unter den Wirbeltieren. Innerhalb der Knorpelfische ist er allerdings nicht die Spitze: Beim Grünaugen-Dornhai werden rund 31 Monate angenommen.
Ablauf der Hai Paarung
Die Paarung an sich verläuft (für menschliche Begriffe) meist äußerst gewaltsam. Männchen kleinerer und vor allem beweglicherer Haie, wie z. B. dem Katzenhai (Scyliorhinus spp.), haben den Vorteil, dass sie sich regelrecht um das Weibchen „herumwickeln" können.
Bei größeren Arten, ist dies nicht so einfach. Die beiden Partner müssen eine parallele Haltung (Bauch an Bauch) einnehmen, aber diese zu finden, kann außerordentlich schwer sein. Es liegt am Männchen das Weibchen in die richtige Position zu bringen – egal wie. Als wohl probatestes Mittel hat sich das Beißen erwiesen… Das Männchen versucht also durch Bisse und Andrücken an alle möglichen Dinge in der Umgebung, das Weibchen in die „richtige" Position zu bringen.
Die Haut der Weibchen ist deutlich dicker als die der Männchen, manchmal doppelt so dick – das wird als Anpassung an die Paarungsbisse gedeutet. In späteren Phasen wird das – zunächst passive – Weibchen jedoch aktiver, was wiederum dem Männchen einige Bisse und Schrammen einbringt. Beide Partner sind somit nach dieser Begegnung erschöpft und besonders am Rücken, den Seiten und am Flossenansatz deutlich mit Bissen und Schrammen gezeichnet.
Haben Haie zwei Penisse? Die Klaspern erklärt
Haie haben zwei Klaspern – Penisse im Sinne der Säugetiere sind das aber nicht. Es handelt sich um umgebildete Innenränder der Bauchflossen, die bei der Paarung aufgerichtet und in die Kloake des Weibchens eingeführt werden. Bei einer Paarung wird in der Regel nur eine der beiden benutzt; welche es ist, hängt von der Paarungsposition ab.
An den Klaspern lässt sich das Geschlecht eines Hais von außen erkennen: Weibchen haben sie nicht und sind bei den meisten Arten zudem größer als die Männchen. Wie die Klaspern anatomisch aufgebaut sind und wie die Spermienübertragung im Detail abläuft, beschreibt der folgende Abschnitt.
Die Geschlechtsorgane der Haie
Die Geschlechter sind bei Haien relativ leicht zu unterscheiden. Männchen sind an den beiden sogenannten Klammerorganen (auch Klasper genannt) zu erkennen, die aus dem aufgerollten inneren Rand der Bauchflossen bestehen. Bei erwachsenen Tieren werden sie meist durch Knorpelteile gestützt.
Normalerweise zeigen diese Organe nach hinten, sind also am Bauch angelegt. Bei der Paarung ist der Hai mit Hilfe seiner Bauchflossenmuskulatur in der Lage, die Klammerorgane nach vorne und nach außen aufzurichten. Die Öffnung der beiden sogenannten Siphone werden freigelegt. Es handelt sich dabei um eine Art subkutane (d. h. unter der Haut liegende) Tasche der Klammerorgane, die beim Schwimmen (also passiv) mit Wasser gefüllt wird.
Das Männchen führt dann bei dem oben beschriebenen Vorgang die Klammerorgane in die Kloake des Weibchens ein (innere Befruchtung). Sind die Klammerorgane bis an das Ende des innersten Teils des weiblichen Geschlechtsapparates eingeführt, treten starre Knorpel aus dem Klammerorgan hervor und verfestigen den (ohnehin schon starken) Kontakt noch mehr. Zugleich versteifen sie das Klammerorgan des Männchens.
In rascher Folge steigen nun die Spermatophoren – eine Art von kleinen Säcken, in denen sich die Spermien mittlerweile angesammelt haben – entlang des Samenleiters in die Kloake des Weibchens hinab. Dort mischen sie sich mit dem Wasser, dass nun aus den Klammerorganen zusätzlich einströmt. Durch den Wasserkontakt werden die Spermien von ihrer Hülle befreit und in den weiblichen Genitaltrakt hineingeschossen. Von dort aus gelangen sie in den Uterus und in die Schalendrüse, wo sie schließlich auf die Eizellen treffen.
Interessant ist, dass die Befruchtung nicht immer unmittelbar nach der Paarung stattfinden muss. Die Spermien des Männchens können in den Schalendrüsen angereichert und für längere Zeit gespeichert werden.


Oviparie, Viviparie und Ovoviviparie
Die Art, wie Haie ihre Jungen zur Welt bringen, wird noch differenziert. Es gibt die sogenannte Oviparie und die Viviparie, sowie die Ovoviviparie.
Oviparie:
Ovipar sind vor allem die Grundhaie (Carcharhiniformes), wie z. B. die Katzenhaie (Scyliorhinus spp.). Auch die Hornhaie (Heterodontus spp.) legen Eier – ihre Eikapseln sind spiralförmig. Ovipar bedeutet, dass diese Haie Eier oder Eikapseln in allen nur erdenklichen Formen ablegen. Sie bestehen meist aus einer hornigen Hülle oder Theca, die wasser- und somit auch sauerstoffdurchlässig ist. In diesen Eiern wächst der Embryo heran. Hat der Hai seine Entwicklung abgeschlossen, schneidet er die Hülle mit besonderen, gesägten Schuppen an Schnauze oder Flossen auf.

Viviparie:
Vivipare Haie sind lebendgebärende Haie. Sofort nach der Geburt sind die kleinen Haie von der Mutter unabhängig und begeben sich selbstständig auf Futter- und Verstecksuche.
Ovoviviparie:
Die Ovoviviparie kommt beispielsweise beim Dornhai (Squalus acanthias) vor. Auch hier scheint es sich – rein äußerlich – um lebendgebärende Haie zu handeln. Doch im Muttertier sieht es anders aus. Dort liegen Eier, aus denen noch im Mutterleib die Jungen schlüpfen. Bei manchen Arten fressen die kleinen Haie ausschließlich den Dotter, der dem Ei beigegeben ist. Wenn sich die Eihülle dann (wie beim Dornhai) nach ca. sechs Monaten öffnet, ernähren sich die kleinen Haie weiterhin vom Dottersack. Meist liegen mehrere befruchtete Eier im Uterus des Weibchens. Insgesamt beträgt die Tragzeit beim Dornhai je nach Bestand 18 bis 24 Monate.
Anders sieht es bei Arten aus, die sehr kleine Eier und einen kleinen Dottersack haben. Hier besteht meist eine sehr enge Verbindung zwischen Mutter und Embryo. Der spezialisierte Uterus wächst und lange Filamente aus der Schleimhaut dringen in die Kiemenschlitze der kleinen Haie ein. So werden sie mit einer milchigen Nährsubstanz, einer Art „Energy-Drink", versorgt. Auf diese Weise können Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) bis zu 82 Jungtiere gebären, die bei der Geburt bereits 51 bis 76 cm groß sind. Der Uterus teilt sich bei vielen Jungtieren in mehrere getrennte Kammern auf, wobei jede Kammer von einem Embryo bewohnt wird.
Bei den Hammer- (Sphyrna spp.) und Blauhaien (Prionace glauca) ist es noch anders. Der Embryo entwickelt sich zunächst unabhängig. Dann heften sich jedoch Dottersack und Eimembran an den Uterus und verwandeln sich in eine Plazenta. Über Blutgefäße und spezielle Transportzellen der Nabelschnur, werden die Jungen stets direkt von der Mutter versorgt.
Oophagie und Embryophagie:
Eine weitere weit verbreitete Art die Jungen zu ernähren ist die sogenannte Oophagie. Dabei fressen die Jungtiere, die zuerst schlüpfen, die anderen im Uterus befindlichen Eier – die meist unbefruchtet sind – auf. So zu sehen beispielsweise beim Makohai (Isurus oxyrinchus) oder auch beim Weißen Hai (Carcharodon carcharias).
Der Sandtigerhai (Carcharias taurus) geht noch einen Schritt weiter: Bei ihm ist sogar intra-uteriner Kannibalismus (Embryophagie, auch Adelphophagie), also der regelrechte Kannibalismus innerhalb des Uterus, erkennbar. Die zuerst geschlüpften Jungtiere fressen – neben ihren noch nicht geschlüpften Geschwistern (siehe Oophagie) – durchaus auch bereits geschlüpfte, aber kleinere und schwächere Tiere auf, so dass am Ende nur ein Junges pro Uterus zur Welt kommt. Der Sandtigerhai gilt als die einzige Haiart, bei der dieser Geschwisterfraß sicher belegt ist.
Häufige Fragen zur Fortpflanzung der Haie
Legen Haie Eier?
Ja, manche Haiarten legen Eier (Oviparie) – darunter der Kleingefleckte Katzenhai, Schwellhaie und Pyjamahaie. Diese Eier stecken in hornigen Kapseln, oft 'Meerjungfrauen-Taschen' genannt. Die Mehrheit der Haiarten ist jedoch lebendgebärend (vivipar) oder ovovivipar (Eier schlüpfen im Mutterleib).
Was bedeutet ovipar, vivipar und ovovivipar?
Ovipar (eierlegend): Das Weibchen legt Eikapseln ab, der Embryo entwickelt sich darin. Vivipar (lebendgebärend): Die Jungtiere werden voll entwickelt geboren, oft über eine Plazenta versorgt (z. B. Hammerhai, Blauhai). Ovovivipar: Die Eier verbleiben im Mutterleib, die Jungen schlüpfen dort und werden lebend geboren (z. B. Dornhai, Tigerhai).
Wie sehen Hai-Eier aus?
Hai-Eier sind hornige, lederartige Kapseln. Katzenhaie haben lange Haftfäden an den Ecken, mit denen sich die Kapsel an Tang und Korallen verankert; Hornhaie legen spiralförmige Kapseln. Sie sind durchscheinend bis dunkelbraun und 4–25 cm groß. Am Strand findet man häufig leere Kapseln – meist von Rochen, die eckiger sind und statt Fäden kleine Hörner an den Ecken tragen.
Wie viele Junge bekommt ein Hai?
Das variiert stark nach Art: Manche Haie bringen nur 1–2 Junge zur Welt (z. B. Sandtigerhai), andere wie der Tigerhai bis zu 82 Junge pro Wurf. Walhaie können sogar bis zu 300 Embryonen tragen. Haie sind 'K-Strategen' – wenige, dafür weit entwickelte Nachkommen.
Wie lange dauert die Tragzeit bei Haien?
Die Tragzeit ist bei Haien vergleichsweise lang: Beim Dornhai beträgt sie 18 bis 24 Monate – eine der längsten Tragzeiten unter den Wirbeltieren. Weiße Haie tragen ca. 12 Monate, Tigerhaie 13–16 Monate, Hammerhaie 10–12 Monate.
Haben Haie zwei Penisse?
Haie haben zwei Klaspern – das sind aber keine Penisse im Sinne der Säugetiere, sondern umgebildete Innenränder der Bauchflossen. Bei einer Paarung wird in der Regel nur eine der beiden benutzt; welche, hängt von der Paarungsposition ab. Weibchen besitzen keine Klaspern, daher lässt sich das Geschlecht eines Hais von außen erkennen.