Titelbild: KI-generiert

    Hai-Schutz

    Warum Haie bedroht sind & wie du helfen kannst

    Welche Haie werden eigentlich geschützt? Welche Haie werden nicht oder nur unzureichend geschützt? Warum ist das so?

    Einen kleinen Einblick, gibt es hier.

    Zitronenhai (Negaprion brevirostris) – seine Flossen sind auf dem Schwarzmarkt viel Geld wert
    Es gibt Menschen, die sehen hier nicht einfach nur einen wunderschönen Zitronenhai (Negaprion brevirostris), sondern Flossen, die eine Menge, Menge Profit versprechen… © by Jeremy Stafford-Deitsch/SharkTrust

    Aktueller Hai Schutz

    Wie steht es momentan um den Hai?

    Dazu gibt es leider immer noch nur eins zu sagen: Sehr schlecht!

    Jährlich werden zwischen 600.000 bis 700.000 Tonnen (!) Haie getötet, was einer Anzahl von im Durchschnitt etwa 100 Millionen Haien im Jahr entspricht!

    Das Makabere daran ist, dass weit über 50 % (im Jahr 1991 waren es 87 %!) von diesen 600.000 bis 700.000 Tonnen als Abfall weggeworfen werden.

    Denn für den Menschen sind nur wenige Teile des Hais profitabel, wie z. B. die Flossen, die für teures Geld nach Asien für Haifischflossen-Suppen exportiert werden oder die Zähne für Schmuck oder die Haut für Schleifmittel (Chagrinleder).

    Der Rest wird nicht gebraucht.

    Nur in den seltensten Fällen wird auch noch das Fleisch der Haie verwertet, für Haifisch-Steaks oder ähnliches.

    Alles was übrig bleibt, wird meist wieder ins Meer zurückgeworfen…

    Mittlerweile stehen bereits über 50 Arten global auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

    Als sogar global stark gefährdet gelten davon über 30 Arten, darunter unter anderem:

    • Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus)
    • Großer Hammerhai (Sphyrna mokarran)
    • Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini)
    • Sandtigerhai (Carcharias taurus)
    • Hundshai (Galeorhinus galeus)
    • Gangeshai (Glyphis gangeticus)
    • Meerengel / Gemeiner Engelhai (Squatina squatina)

    Eine ganz gute und vor allem deutsche Übersicht, findest du auf der Übersichtsseite über Haie auf der Roten Liste der Hai-Stiftung.

    Hai Finning

    Besonders das sogenannte Finning ist äußerst brutal.

    Dabei werden Haie gefangen und aufs Boot geholt. Anschließend werden dem Hai die Flossen abgeschnitten (hauptsächlich für Suppen) und der meist noch lebende (!) Rumpf des Hais, wird wieder ins Wasser geworfen – das vollständige Töten des Tieres würde viel zu lange dauern und an Bord muss es schnell gehen!

    Außerdem nimmt der ganze Hai viel Platz weg und es rentiert sich nicht ganze Haie zu verkaufen. Nur die Flossen zu behalten ist viel profitabler!

    Der wieder ins Meer geworfene Hai verblutet entweder oder er wird von anderen Haien gefressen oder – und was bei Weitem das Häufigste ist – er erstickt elendig, denn viele Haie müssen schwimmen um atmen zu können (siehe „Atmung").

    Hai angeln / Sportfischerei

    Auch der Bereich der Sportfischerei ist nicht zu unterschätzen (auch wenn es schon weniger geworden ist).

    Anfang der 90er Jahre wurden allein in den USA bei manchen Sportturnieren rund 2,5 Millionen (!) Haie getötet – wegen des „Sports"! D. h. die Haie waren anschließend schlicht Abfall!

    Aufgereihte tote Haie nach einem Sportwettbewerb – jährlich werden Millionen Haie sinnlos getötet
    Die Verlierer eines „Sportwettbewerbs"… © by The Nature Company Guides: Sharks & Rays

    Besonders geschätzt sind Haie, die sich nicht so einfach einholen lassen, wie z. B. der Makohai (Isurus oxyrinchus) oder auch der Weiße Hai (Carcharodon carcharias). Sie werden wegen ihres „Kampfgeistes" besonders geschätzt und ein solcher Fang bringt auch mehr Anerkennung als ein lumpiger Katzenhai (Scyliorhinus spp.) beispielsweise.

    Das ist die Einstellung mancher „Sportfischer".

    Traurig aber leider wahr…

    Typische Hai Produkte

    Um Hai Produkte zu meiden, muss man natürlich wissen, was überhaupt aus Hai gemacht wird. In vielen Produkten ist ein bisschen Hai, daher ist es für Haiwelt nicht möglich alles hier aufzulisten.

    Aber bekanntere Dinge sind z. B. natürlich die Haifischflossensuppen. Oder hast du schon mal Schillerlocken gegessen? Ja? Dann hast du die Bauchlappen eines Dornhais (Squalus acanthias) verputzt.

    „Seestör" oder „Kalbsfisch" ist übrigens Heringshai (Lamna nasus).

    Heringshai-Fleisch (Lamna nasus) zum Verkauf – ein Luxusprodukt auf das man verzichten sollte
    Hai-Fleisch (hier: Heringshai Lamna nasus) schmeckt vielen – ein Luxus-Produkt auf das man verzichten sollte!

    Auch Halsketten, die aus echten Hai Zähnen bestehen, solltest du meiden. Denn bedenke, dass du mit jedem Kauf solcher Produkte den Fang und das Abschlachten der Haie quasi unterstützt – längst nicht alle Hai Zähne wurden irgendwo bloß gefunden, besonders nicht so große und schöne!

    Probleme beim Hai Schutz

    Probleme beim Hai Schutz gibt es leider noch sehr viele.

    Wie oft haben wir es schon erlebt, dass gute Vorschläge gemacht wurden, die aber wirtschaftlich einfach nicht durchzusetzen waren? So ist ein mehrmonatiges oder gar mehrjähriges Fangverbot für Haie wirtschaftlich nicht haltbar.

    Aber was ist die Wirtschaft wert im Gegensatz zur Natur? Schließlich haben wir nur diese eine…

    Doch das sind nicht die einzigen Probleme. Ein mindestens ebenso großes Problem stellt die Unwissenheit der breiten Bevölkerung dar. Menschen sind nur bereit etwas zu schützen, was sie auch kennen. Die Menschen müssen also informiert werden. Die Situation der Haie muss dargestellt und erklärt werden.

    Und nicht zuletzt muss offensichtlich werden, warum es zwingend nötig ist, Haie zu schützen. Seiten wie Haiwelt.de leisten hoffentlich einen Beitrag dazu…

    Doch ich bin zuversichtlich. Das Bewusstsein der Menschen in Bezug auf die Haie, hat sich bereits geändert – davon bin ich überzeugt.

    Dokumentationen z. B., versuchen immer mehr den Hai so zu zeigen, wie er wirklich ist. Filme wie „Der Weiße Hai" gehören zwar nicht der Vergangenheit an. Doch immer mehr Menschen der breiten Masse können sehr wohl differenzieren zwischen Blockbustern im Kino und den echten Tieren im Meer.

    Aber nicht nur die Information der breiten Bevölkerung ist wichtig. Auch die Erforschung der Haie spielt eine große Rolle. Eine wichtige Methode dabei ist das Hai-Tagging, bei dem Haie markiert werden, um ihre Wanderbewegungen zu verfolgen.

    Wie soll man eine Art schützen, über die man fast nichts weiß und keine Daten hat? Mehr über die weltweite Verbreitung der Haie erfährst du auf unserer entsprechenden Unterseite.

    Viele Haiarten sind noch gar nicht oder nur unzureichend erforscht. Das könnte daran liegen, dass es vielleicht nur noch so wenige Individuen dieser Arten gibt.

    Hier wäre es normalerweise am Besten alle Haiarten, über die man noch zu wenig weiß, sozusagen erst einmal „provisorisch" unter strengen Schutz zu stellen.

    Doch hier kommt die Wirtschaft wieder ins Spiel…

    Fest steht: Der Hai ist tot gefährlicher als lebendig! Denn, wenn nicht er, wer soll dann für das ökologische Gleichgewicht der Meere sorgen?

    Silberspitzenhai (Carcharhinus albimarginatus) – gefährdet oder nicht? Der Schutzstatus vieler Arten ist unklar
    Ein Silberspitzenhai (Carcharhinus albimarginatus) – gefährdet oder nicht? © by Jeremy Stafford-Deitsch/SharkTrust

    Was kann ich selbst tun?

    Hai-Schutz wirkt am besten, wenn viele Menschen kleine Entscheidungen anders treffen. Diese Punkte machen wirklich einen Unterschied:

    • Keine Hai-Produkte konsumieren – das schließt offensichtliche Dinge wie Haifischflossensuppe ein, aber auch versteckte wie Schillerlocken (Dornhai) oder „Seestör" / „Kalbsfisch" (Heringshai).
    • Auf Fisch-Siegel achten – MSC und ASC sind nicht perfekt, aber besser als nichts. Noch besser: weniger Fisch insgesamt.
    • Keine Souvenirs aus Hai-Zähnen, -Kiefern oder -Haut kaufen, vor allem nicht im Urlaub. Die meisten Stücke stammen aus aktiver Hai-Tötung, nicht aus Strandfunden.
    • Haie sehen statt jagen – seriöse Cage-Diving- oder Schnorchel-Anbieter machen Haie wirtschaftlich wertvoller, wenn sie leben.
    • Aufklärung weitergeben – teile diesen Artikel oder Dokus wie Sharkwater oder Playing with Sharks mit Freunden, die Haie noch für Monster halten.
    • NGOs unterstützen – per Spende, Mitgliedschaft oder ehrenamtlich. Auch kleine Beträge helfen.
    • Offizielle Charity-Produkte kaufen: Wer ein Geschenk sucht, das gleichzeitig dem Tierschutz nützt, findet bei Amazon offizielle WWF-Plüschhaie und ähnliche Produkte – ein Teil der Erlöse fließt direkt in Naturschutzprojekte. Offizielle WWF-Hai-Produkte bei Amazon ansehen*

    Wichtige NGOs & Organisationen unterstützen

    Diese Organisationen setzen sich seit Jahren oder Jahrzehnten konkret für den Schutz von Haien ein. Du kannst ihre Arbeit direkt durch Spenden oder Patenschaften unterstützen:

    Mehr zu Forschung und Tracking findest du unter Hai-Tagging und weltweite Verbreitung der Haie. Wer wissen will, welche Haie auch in deutschen Gewässern bedroht sind, findet eine Übersicht bei Haie in Nordsee & Ostsee.

    Ökotourismus als Haischutz

    Eine der wirkungsvollsten Methoden, Haie zu schützen, ist verantwortungsvoller Ökotourismus. Studien zeigen: Ein lebender Riffhai bringt einer Region durch Tauchtourismus über sein Leben hinweg ein Vielfaches dessen ein, was sein Verkauf als „Finning"-Opfer auf dem Markt erzielen würde. Wer eine geführte Hai-Safari oder eine Schnorcheltour bucht, signalisiert lokalen Regierungen und Fischern direkt, dass lebende Haie wirtschaftlich wertvoller sind als tote.

    Eine kuratierte Übersicht der besten Spots findest du auf unserer Seite Tauchen mit Haien.